Liebe.

Um die Liebe ranken sich viele Mythen, Weisheiten & Erzählungen. Die Wissenschaft versucht sie zu erklären. Wir versuchen sie zu verstehen. Doch, kann man überhaupt die richtigen Worte für dieses intensive Gefühl der Liebe finden? Oder ist das Wort letztlich egal und eigentlich ist es vergebene Müh‘, sich darüber den Kopf zu zerbrechen?

Liebe ist überall. Sie umgibt uns tagtäglich. Dennoch war mir bis vor ein paar Jahren noch gar nicht bewusst, wie intensiv sie sich anfühlen kann. Natürlich war ich bis zu dieser Erkenntnis schon einmal verliebt. Vielleicht auch zweimal, oder dreimal. Rückblickend betrachtet war der große Herzschmerz im Nachgang kaum gerechtfertigt, und doch fühlte ich mich jedes Mal wie ein Häufchen Elend, wenn der Angebetete meine Gefühle nicht erwiderte. Gut so, dass sie es nicht taten. Mir wäre das Beste entgangen …

Liebe ist 3678 Schmetterlinge, die unentwegt und rasant mit ihren feinen Flügeln schlagen. Sie ist ein Kribbeln, welches oben auf der Kopfhaut beginnt und sich langsam seinem Weg zu deinen Füßen bahnt. Sie ist ein verstohlenes Kichern und kleine Fältchen an den Augen, die vom Lächeln kommen. Liebe ist das große Unbekannte. Liebe ist Verzweiflung, Unverständnis, manchmal auch Angst. Angst vor Verlust. Man hält sie fest und vergisst dabei manchmal, loszulassen. Liebe ist die Suche nach einem Konsens, das Hinterfragen der eigens gesetzten Prioritäten. Sie ist manchmal so laut, exzessiv und grell, dass sich andere Menschen gestört von ihr fühlen. Und dann ist sie wieder leise, so leise, dass Du meinst, sie sei verschwunden.

Sie macht dich achtsamer. Du legst dein Schild ab, riskierst eine Verwundung. Für die Liebe in deinem Leben bist Du stark. Du stellst dich vor sie, weil Du sie schützen willst. Du stehst hinter ihr, weil Du an sie glaubst. Diese Liebe ist wie ein eigener Kosmos. Sie leuchtet heller, als jeder Stern über unseren Köpfen. Regeln kennt die Liebe durchaus. Sie befolgt sie nur selten.

Ich fand die Liebe vor über acht Jahren (wieder). Mittlerweile haben wir sie für uns definiert – mit vielen Worten und noch mehr Gefühlen – und dürfen sie an unsere Tochter weitergeben, die hoffentlich selbst einmal so sehr lieben wird, dass Kopf & Verstand nicht Hand in Hand gehen.

„Nein, ich will das nicht!“

„Die Oma hat dich doch so lieb, nun gib ihr schon einen Kuss.“ „Du ziehst den Pullover jetzt an. So sehr kann der gar nicht kratzen.“ „Wenn Du dein Essen nicht aufisst, wird morgen auch die Sonne nicht scheinen.“

Kleine Kinder sind süß. Doch ihre Pausbäckchen und kleinen Finger, die großen unschuldigen Augen und die zerzauste Frisur auf dem wohlduftenden Kopf, rufen in manchen von uns nicht nur den Beschützerinstinkt hervor, sondern lassen auch glauben, dass diese kleinen Wesen kein Mitspracherecht haben können – Wie denn auch? In den paar Jahren, die sie bisher auf der Welt herumtollen, können sie überhaupt keine wichtigen Erfahrungen gesammelt haben.

Natürlich stimmt das nicht. Kinder wissen sehr wohl um das, was sie wollen und was nicht. Es steht außer Frage, dass es unsere Pflicht ist, sie vor Gefahren zu beschützen und in ihrem Sinne zu handeln, doch grundlegend können wir davon ausgehen, dass Kinder ihre Bedürfnisse sehr gut kennen. Um diese Bedürfnisse zu erfüllen, braucht es Erwachsene, die ihre Kinder in ihrem Wollen unterstützen. Erwachsene, die ihre Sprösslinge bestärken, zu ihren Gefühlen und Wünschen zu stehen. Was es nicht braucht, sind Erwachsene, die ihre Kinder hemmen, in denen sie ihre Sorgen und Nöte als Nichtigkeiten ansehen oder gar überhören.

Mich beschäftigt dieses Thema schon sehr lange. Zuhause haben wir einen kleinen Wirbelwind, dessen drittes Wort, nach Mama und Papa, Nein war. Und, rückblickend betrachtet, haben wir dieses Wort auch öfter gehört, als jedes andere. Das ist anstrengend. Jeden Tag auf ein Neues. Denn dieses Nein bedeutet für uns, dass wir unsere Komfortzone in regelmäßigen Abständen verlassen und unsere Prioritäten und selbst auferlegten Regeln überdenken müssen. Dies bedeutet nicht, dass unsere Tochter alles bekommt, was sie will – gewiss nicht. Auch Diskussionen stehen hier an oberster Tagesordnung. Wir reden viel, über alles. Wir erklären uns, sie erklärt sich. Wir finden Lösungen und Kompromisse.

Als wir letzte Woche mit dem Zug unterwegs waren, stellte sich das Thema „Selbstbestimmung“ erneut in den Fokus. Wir wollten gerade an unserer Station aussteigen, als meine Tochter mich fragte, ob sie den Knopf drücken dürfe, der die Tür öffnet. Das erlaubte ich ihr natürlich, weshalb ich ihren Buggy in die eine Hand und sie in die andere Hand nahm. Hinter uns standen ein paar Leute, die ebenfalls aussteigen wollten. Also drückte sie den Knopf, die Tür öffnete sich und wir wollten gerade die Stufen zum Bahnsteig aussteigen, als zwei große Männerhände meine Tochter von hinten packten und sie aus dem Zug geleiteten! Ich war perplex, wusste nicht, was ich sagen sollte. Alles was ich wollte war, meine Tochter in die Arme zu nehmen, sie festzuhalten und nie wieder loszulassen.

Ich hatte Angst und war gleichzeitig unglaublich wütend. Schnell sagte ich etwas, wie: „Sowas macht man nicht! Ungefragt ein fremdes Kind anfassen – das gibt es doch gar nicht.“ Wir stellten uns an die Seite, ich zog ihr ihre Jacke an und fragte leise, ob alles in Ordnung mit ihr sei. Das war es natürlich nicht. Sie war wütend, verwirrt und ängstlich. Und sie bat mich darum, dem „Mann zu sagen, dass er so etwas nie wieder machen darf.“ Ohne lange zu überlegen, tat ich das. Er stand ein paar Meter weiter und rauchte eine Zigarette. Da er nicht unsere Sprach sprach, versuchte ich ihm auf Englisch zu erklären, dass ich durchaus verstehe, dass er uns wahrscheinlich nur helfen wollte. Und dennoch gibt dies niemandem das Recht, ein Kind anzufassen, ohne die Einwilligung der Eltern und vor allem: des Kindes! Er entschuldigte sich halbherzig. Ob er verstand, was ich wollte, … ich weiß es nicht.

Für mich bedeutete das jedoch, dieses Thema genauer mit unserer Tochter zu erörtern. Es ist mir wichtig, dass dieses Mädchen lernt, dass ihr Nein gehört wird und sie immer das Recht hat, etwas abzulehnen – aus voller Überzeugung und mit Nachdruck. Ob das jetzt der Kuss der Oma ist, ein kratzender Pulli, ihr Mittagessen, oder ein fremder Mann, der sie ohne Vorwarnung von hinten anfasst. Nicht jede Situation nimmt so ein glimpfliches Ende. Deshalb ist es unsere Aufgabe, unsere Kinder in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken. Es ist unsere Aufgabe, dass das Nein nicht irgendwann verstummt – wir müssen unseren Kindern helfen, diesen vier Buchstaben eine Bedeutung zu geben, die jeder unmissverständlich versteht!

Im Internet und Buchhandel gibt es eine Vielzahl an Büchern für Kinder jeden Alters, die diese Thematik, und alles um sie herum, aufgreifen – sucht euch eines zusammen aus und geht den Inhalt gemeinsam durch. Viele Kitas und Schulen bieten zudem Selbstverteidigungskurse an – macht davon Gebrauch. Und zu guter Letzt: Lasst uns zuhören. Wenn unsere Kinder von uns gehört werden, dann ist das die beste Grundlage für eine selbstbewusste Seele.

Wieso die Menschheit mich wieder einmal enttäuscht

Ein Versandriese verschenkt eine große Auflage Kinderbücher am Weltkindertag. Die Aufmachung ist hübsch, der Gedanke dahinter noch hübscher.

Kinder und Phantasie sind zwei untrennbare Begriffe. Schon früh schlüpfen die Kleinsten in die Rolle des tapferen Prinzen, der kessen Ärztin und des schrecklichen Ungeheuers. Märchen fördern diese so wichtige Phase im Leben der kleinen Wesen.

Dass nicht jedes Kind in den Geschmack bunter Bücher kommt, dürfte kein Geheimnis sein. Es ist die traurige Wahrheit, dass Konsole und TV in manchen Familien als einfacher, aber gut funktionierender Ersatz herhalten. „Rotkäppchen“, „Dornröschen“ und „Rapunzel“ verstauben derweil.

Die Aktion des Onlinehändlers sollte dem zumindest ein Stück entgegenwirken. Und der Gedanke war von Grund auf gut – daran gibt es nicht zu rütteln. Die Bücher waren limitiert und es war abzusehen, dass nicht jedes Kind ein Exemplar erhält.

Und wieso bin ich dann so entrüstet? Ganz einfach! Auf mehreren Plattformen entdeckt man nun diese wundervollen Bücher – sie werden angeboten zu horrenden Preisen. Der anfängliche Gedanke damit zunichte gemacht. „Reich am Geld, arm im Herzen.“ dürfte hier die Devise sein. Statt sein Exemplar, was nicht gebraucht wird, an eine Kindertagesstätte oder ähnliche Einrichtung zu verschenken, wird versucht, das große Geld zu machen.

Und ich frage mich, wie man unter diesen Umständen noch ruhig schlafen kann …

Es fehlt.

Morgens, irgendwann um halb 6. Ich verlasse unsere Wohnung. Gemütliche drei Zimmer, liebevoll eingerichtet, mit einer kleinen Terrasse. Das Gartenstück davor bepflanzten wir mit verschiedenen Blumen. Ahnung davon hatten wir nicht. Hübsch sollte es aussehen und gepflegt. Draußen wehte ein eisiger Wind. Ich hatte die Frühschicht im Laden und regte mich auf, dass mein Haarspray nicht hielt, was es versprach. Die Müdigkeit steckte mir noch in den Knochen. Hätte ich geahnt, wie kostbar dieser Morgen im Nachhinein ist … ich hätte einen genaueren Blick auf die Kirche oben am Berg geworfen. Ich hätte die klare Luft bewusster eingeatmet und dem Funkeln des Laternenlichtes im Fluss mehr Beachtung geschenkt.

Diese Stadt. Mein Zuhause. Meine Herzensheimat. So viele Emotionen und Erinnerungen mit ihr verbunden. Es schien, als könne sie mich nie langweilen. Ich fühlte mich angekommen, geborgen.

Unzählige Geschichten spielten sich hier ab. Geschichten, die mein Leben schreiben. Wenn ich mich konzentriere, dann habe ich noch den Duft der frischen Brötchen meines Lieblings-Bäckers in der Nase. Ich kann mich an einen Spaziergang erinnern, der bei Sonnenschein begann und mit nackten Füßen im strömenden Regen endete. Im Ohr habe ich noch immer das Geräusch der arbeitenden Maschinen einer an unserer Wohnung grenzenden Firma – jeden Morgen um 4 wurden sie in Betrieb genommen. Ich fühle noch das Lächeln auf meinen Lippen, als wir das Standesamt betraten, um zu erfahren, wann wir heiraten könnten. Dieses alte Gemäuer, der große Marktplatz, die niedliche Pizzeria und der idyllische Weg vorbei am Fluss, der durch die Stadt verlief … und mittendrin mein dankbares Herz.

Ich fühle mich rastlos. Und obwohl ich weiß, wieso wir gingen, bleibt das zermürbende Gefühl von Heimweh.

Wieso es manchmal nicht genügt, wenn man sich selbst liebt

Dieser Beitrag könnte möglicherweise bei dem einen oder anderen Leser negative Gefühle, Gedanken und Erinnerungen hervorrufen. Neudeutsch nennt man das wohl Trigger. Ich möchte davon erzählen, wie ich als junges Mädchen und auch später noch erleben musste, wie es sich anfühlt, gemobbt zu werden. Und davon, dass es manchmal nicht genügt, mit sich im Reinen zu sein.

Die mediale Welt ist mittlerweile voll davon: Neben perfekt inszenierten Körpern und gefeierten Schönheitsidealen, stößt man im Internet, Fernsehen und in Zeitschriften vermehrt auf professionelle Tipps zur Vervollständigung einer selbstsicheren, zielgerichteten Persönlichkeit und wie man seinen Weg zur ausgeglichenen, inneren Mitte problemlos beschreiten kann. Selbstliebe ist das magische Wort. Wenn wir uns nur selbst bedingungslos lieben, dann lösen sich Probleme schier in Luft auf und wir können ein beinahe unbeschwertes Leben führen.

Gänzlich abwegig ist das nicht und ich bin davon überzeugt, dass man mit einer friedlichen, inneren Einstellung zum eigenen Ich, ein besserer Mensch sein kann. Liebe dich und Du kannst auch andere lieben. Doch, bevor Du diesen Weg beschreitest, nimm dir Menschen an die Hand, die dir gut tun …

„Schau‘ dir mal die Bratze an!“ „Da kommt L. – sie ist so hässlich.“ „Deine Stimme ist so unangenehm, richtig seltsam.“

Das sind nur ein paar der verletzenden Sätze, mit denen ich mich während der Schulzeit und auch danach noch, auseinander setzen musste. Sie haben mich beschäftigt – jeden Tag mehr. Und sie haben mich geprägt – jeden Tag mehr. Der Blick in den Spiegel war für mich irgendwann verbunden mit Scham, Hoffnungslosigkeit und Angst. Ob die anderen wohl Recht haben? Ganz bestimmt. Bin ich wirklich so abstoßend, so anders? Mit Sicherheit. Was habe ich falsch gemacht?

Der Weg zur Selbstliebe war plötzlich nicht mehr nur steinig, nein. Er schien schlichtweg unerreichbar und alles was ich wollte war, das alles irgendwie so unbeschadet wie möglich zu überstehen. Über vier Jahre lang habe ich mich versteckt, bin mit gesenktem Haupt die Straßen entlanggelaufen, in der Hoffnung, dass mich niemand anschauen und erkennen würde, wie hässlich ich doch bin. Noch mehr Kritik könnte ich nicht ertragen.

Doch ich konnte. Und es wurde besser. Von Tag zu Tag, von Monat zu Monat, von Jahr zu Jahr. Doch das habe ich nicht alleine geschafft. Mich begleiteten Menschen, die mir zeigten, wo meine Stärken liegen. Sie schafften es, dass ich mich zeitweise wohl fühlte in meinem Körper, manchmal sogar hübsch. Manche Menschen gingen wieder, neue kamen dazu. Das ist noch heute so. Ein fester Kreis ist geblieben. Und diesem habe ich so vieles zu verdanken. Mittlerweile scheue ich mich nicht mehr davor, mich umzusehen, wenn ich spazieren gehe – die Welt ist viel zu schön, um sich zu verstecken, weil es jemanden da draußen geben könnte, der mich optisch nicht ansprechend findet. Ich kann in den Spiegel schauen und mir bestätigend zulächeln. Und, die so unangenehme Stimme, die singt ihrer Tochter jeden Tag ein Lied vor. Und DIE findet das ganz wundervoll und kann davon nicht genug bekommen.

Was ich damit sagen will? Selbstliebe ist toll und unabdingbar. Gutes kann nur aus Gutem gedeihen. Aber wir alle brauchen Menschen um uns herum, die uns helfen, unser Potential zu erkennen und auch daran zu glauben. Wenn ihr so jemanden in eurem Leben habt, dann haltet ihn fest. Ein größeres Geschenk kann man nicht erhalten.

Selbstfürsorge

Wir leben in einer hektischen Welt. Tagtäglich arbeiten wir To-Do-Listen ab, eilen von einem Termin zum Nächsten, während sich im Hinterkopf weitere zu erledigende Aufgaben und umzusetzende Ideen ankündigen. Das Wörtchen „Nein.“ versinkt im Sumpf der guten Vorsätze, die wir unserer mentalen Gesundheit zuliebe zum Jahresbeginn fassten und der Alltag hat uns so fest im Griff, dass wir erst (zu) spät bemerken, wie müde wir sind.

„Verbring‘ doch einfach mal Zeit mit dir selbst.“

Ein einfacher Satz, oder? Als mir eine Freundin gestern aber genau diesen Ratschlag erteilte, hatte er eine große Wirkung auf mich. Denn selbst, wenn mein Tag mehr als 24 Stunden hätte, so bezweifle ich doch, dass ich die zusätzliche Zeit ausschließlich für mich nutzen würde. Ich fühle mich rastlos. Und der Grund ist mir sogar bekannt. Selbst eine Lösung habe ich parat. Doch an der Umsetzung scheitert es aktuell noch. Mir bleibt also nur eine Möglichkeit: Ich muss mich bewusst für mich entscheiden.

Was ist mir wirklich wichtig, worauf kann ich verzichten? Wer tut mir gut und wer hält mich auf meinem Weg zurück? Was will ich erreichen und welche Ziele haben sich in den letzten Monaten verändert? Wer bin ich und wer möchte ich sein?

Diese Fragen klar zu beantworten ist gewiss nicht einfach und es braucht Zeit, die eigene Stimme wieder deutlich zu vernehmen, wenn man einmal anfing, sie zu ignorieren. Doch setzt man sich erst einmal bewusst mit ihnen auseinander, startet ein essentieller Prozess in unserem Leben: die Selbstfürsorge.