Wieso es manchmal nicht genügt, wenn man sich selbst liebt

Dieser Beitrag könnte möglicherweise bei dem einen oder anderen Leser negative Gefühle, Gedanken und Erinnerungen hervorrufen. Neudeutsch nennt man das wohl Trigger. Ich möchte davon erzählen, wie ich als junges Mädchen und auch später noch erleben musste, wie es sich anfühlt, gemobbt zu werden. Und davon, dass es manchmal nicht genügt, mit sich im Reinen zu sein.

Die mediale Welt ist mittlerweile voll davon: Neben perfekt inszenierten Körpern und gefeierten Schönheitsidealen, stößt man im Internet, Fernsehen und in Zeitschriften vermehrt auf professionelle Tipps zur Vervollständigung einer selbstsicheren, zielgerichteten Persönlichkeit und wie man seinen Weg zur ausgeglichenen, inneren Mitte problemlos beschreiten kann. Selbstliebe ist das magische Wort. Wenn wir uns nur selbst bedingungslos lieben, dann lösen sich Probleme schier in Luft auf und wir können ein beinahe unbeschwertes Leben führen.

Gänzlich abwegig ist das nicht und ich bin davon überzeugt, dass man mit einer friedlichen, inneren Einstellung zum eigenen Ich, ein besserer Mensch sein kann. Liebe dich und Du kannst auch andere lieben. Doch, bevor Du diesen Weg beschreitest, nimm dir Menschen an die Hand, die dir gut tun …

„Schau‘ dir mal die Bratze an!“ „Da kommt L. – sie ist so hässlich.“ „Deine Stimme ist so unangenehm, richtig seltsam.“

Das sind nur ein paar der verletzenden Sätze, mit denen ich mich während der Schulzeit und auch danach noch, auseinander setzen musste. Sie haben mich beschäftigt – jeden Tag mehr. Und sie haben mich geprägt – jeden Tag mehr. Der Blick in den Spiegel war für mich irgendwann verbunden mit Scham, Hoffnungslosigkeit und Angst. Ob die anderen wohl Recht haben? Ganz bestimmt. Bin ich wirklich so abstoßend, so anders? Mit Sicherheit. Was habe ich falsch gemacht?

Der Weg zur Selbstliebe war plötzlich nicht mehr nur steinig, nein. Er schien schlichtweg unerreichbar und alles was ich wollte war, das alles irgendwie so unbeschadet wie möglich zu überstehen. Über vier Jahre lang habe ich mich versteckt, bin mit gesenktem Haupt die Straßen entlanggelaufen, in der Hoffnung, dass mich niemand anschauen und erkennen würde, wie hässlich ich doch bin. Noch mehr Kritik könnte ich nicht ertragen.

Doch ich konnte. Und es wurde besser. Von Tag zu Tag, von Monat zu Monat, von Jahr zu Jahr. Doch das habe ich nicht alleine geschafft. Mich begleiteten Menschen, die mir zeigten, wo meine Stärken liegen. Sie schafften es, dass ich mich zeitweise wohl fühlte in meinem Körper, manchmal sogar hübsch. Manche Menschen gingen wieder, neue kamen dazu. Das ist noch heute so. Ein fester Kreis ist geblieben. Und diesem habe ich so vieles zu verdanken. Mittlerweile scheue ich mich nicht mehr davor, mich umzusehen, wenn ich spazieren gehe – die Welt ist viel zu schön, um sich zu verstecken, weil es jemanden da draußen geben könnte, der mich optisch nicht ansprechend findet. Ich kann in den Spiegel schauen und mir bestätigend zulächeln. Und, die so unangenehme Stimme, die singt ihrer Tochter jeden Tag ein Lied vor. Und DIE findet das ganz wundervoll und kann davon nicht genug bekommen.

Was ich damit sagen will? Selbstliebe ist toll und unabdingbar. Gutes kann nur aus Gutem gedeihen. Aber wir alle brauchen Menschen um uns herum, die uns helfen, unser Potential zu erkennen und auch daran zu glauben. Wenn ihr so jemanden in eurem Leben habt, dann haltet ihn fest. Ein größeres Geschenk kann man nicht erhalten.

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